Belastungspotentiale für die Bürger*innen in Oslebshausen und Umzu

BI Infoveranstaltung 29. August 2019
Beitrag von Rolf Vogelsang zum Nachlesen

Oslebshausen wird als Bauerndorf urkundlich schon im 8. Jahrhundert erwähnt, ist also schon ca. 1200 Jahre alt. Erst 1921 wurde es in die Stadtgemeinde Bremen eingemeindet, nachdem es nach der Begradigung der Weser und der Schaffung der Industriehäfen für die Stadt Bremen immer wichtiger wurde. Heute sind wir ein Ortsteil in dem ca. 9.500 Menschen leben und dem Stadtteil Gröpelingen zugeordnet.

Die Bremer verbinden mit dem Namen Oslebshausen vor allem den Knast – die Justizvollzugsanstalt, die es hier seit ca. 130 Jahren gibt, die in den letzten 5 Jahren für ca. 50 Millionen Euro saniert und erweitert wurde und für weitere 50 Millionen Euro weiter saniert wird. Hier leben ca. 600 Insassen.

Die Wohngebiete im Ortsteil Oslebshausen sind mit den vorhandenen Industrie- und Gewerbeflächen zur Weser hin und der Bahntrasse in Richtung Bremerhaven mit dem zunehmenden Personen- und Güterverkehr starken Belastungen ausgesetzt.

Hier eine kurze Beschreibung, wie der Ortsteil vom Nordosten bis zum Südwesten schon jetzt von Verkehr, Industrie und anderen Emissionen belastet ist:

  • 2 Windkrafträder, ca. 350 m (Luftlinie) von der Wohnbebauung entfernt
  • danach die Autobahn A 27 sowie der Autobahnzubringer (Oslebshauser Tor)
  • angebunden die Autobahn A 281 mit dem Zubringer bei der Riedemannstr.
  • parallel zur A 27 verläuft die Bahntrasse vom Bremer Hbf nach Bremerhaven, mit den Güterzügen sowie den Züge nach Vegesack und Farge
  • mittig durch Oslebshausen dann die Heerstraße (B6) sowie
  • die Kreuzung mit der Ritterhuder Heerstr. und der Oslebshauser Landstr.
  • zur anderen Seite – Südwest- verlaufen zwei Trassen der Hafenbahn
  • dazwischen die Hafenrandstr.
  • und dann die Industriehäfen mit ihren diversen Betrieben und Lagern, wie z.B.:
    • ca. 20 Windkraftwerken
    • 2 Kraftwerken
    • Stahlwerke Acelor-Mittal
    • Umweltschutz Nord (Fa. Nehlsen)
    • Lagerung diverser, auch giftiger Stoffe (unbekannte Gefährlichkeiten), ein Kataster darüber scheint nicht zu existieren (der Beirat Gröpelingen hat bis heute keine Antwort auf seine Nachfragen erhalten).

Angst machen auch große Brände im Hafen. Zuletzt im Sommer 2010, als eine große Halle auf dem ehemaligen Louis Krages Gelände abbrannte, wo verschiedene giftige Materialien gelagert waren. Die Feuerwehr wusste nach eigenen Angaben nicht, was dort gelagert war und rief einen Alarm für eine eventuelle Giftgaswolke aus.

Benachrichtigt und gewarnt wurde jedoch nur die Bahn, so dass die Passagiere aufgefordert wurden, die Fenster geschlossen zu halten und sie informiert wurden, dass der Zug wegen einer gefährliche Giftgaswolke nicht in Oslebshausen halten würde sondern erst in Burg.

Die Bevölkerung vor Ort wurde nicht von der Polizei informiert, weil sie ihrerseits davon nichts mitbekommen hatte.

Wir fragen uns, welches Szenario entstehen würde, wenn durch einen Unfall die vielen Öltanks der Firmen HGM (ca. 25-30 Öltanks) und der Firma DS (ca.10 Öltanks) entzündet und evtl. explodieren würden? Der über diese Unfallgefahr „aufklärende Flyer“ lässt nur eine Evakuierung Oslebshausens zu. Das würde aber nur klappen, wenn ein praktikabler Informations-Notfall-Plan bestehen würde!!

Dies sind, in gebotener Kürze, die Belastungen, die sich die Bevölkerung in Oslebshausen und Umzu schon jetzt ausgesetzt sieht.

Dann berichtet der WK am 21. und 22. Dezember 2017 und im Stadtteil-Kurier vom 29.01 2018, dass ein Konsortium KENOW, bestehend aus SWB, Hansewasser, Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband und EWE Wasser Cuxhaven eine Klärschlammverbrennungsanlage am Standort der SWB im Industriehafen bauen will.

Am 24.01.2018 stellte das Konsortium dem FA Bau des Gröpelinger Beirats dann sein Konzept zur Errichtung einer Klärschlammverbrennungsanlage quasi als Ersatz für das stillzulegende Kohlekraftwerk im Industriehafen in Oslebshausen vor. Der Standort wurde von den 10 möglichen Standorten im nordwestdeutschen Bereich als der geeignetste ausgewählt.

Aufgeschreckt durch die Ankündigung, dass ab Juli 2018 der Bioabfall Bremens im Industriehafen zwischengelagert werden soll, bis die Verbrennungsanlage der neuen Entsorgungsfirma Remondis in Osnabrück fertiggestellt ist, gründete sich dann schnell unsere BÜRGERINITIATIVE. Wir mussten feststellen, dass es im Bereich der Industriehäfen inzwischen 23 müllverarbeitende Betriebsstätten gibt. (Übersicht der Bremer Entsorgungsanlagen. Stand 17.05.2016, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr).

Oslebshausen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark durch die Konzentration von Betrieben und Anlagen in Mitleidenschaft gezogen worden, die verschiedene Emissionen nach sich zogen:

  • belastete Luft: Staub, Gestank, Abgase
  • Lärmbelastung (Schrottverladung, Kraftwerks-Ventile, Autobahnen, Zugverkehre, Straßenverkehr u.a.m.)
  • Ungeziefer in den Monaten Mai bis September (Fliegenplage)

Das war nicht immer so. Im Industriehafen dominierten einmal hafennahe Betriebe, von denen viele verschwunden sind, wie z.B. Louis Krages, Dreyer & Hillmann, Mittenberg & Kriete und viele andere.

Die Rechtsgrundlage für alle Betriebe bildet ein „Bebauungsplan“ von 1921. Er entspricht nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit, weil er keine Rücksicht auf die Menschen nimmt, die ihre Wohnungen nahe des Hafengebiets haben. Ein neues Klärschlammverbrennungswerk würde ca. 359-400 m Luftlinie zum nächsten Wohngebiet liegen.

Fast unbemerkt hat sich in unserer direkten Nachbarschaft ein Zentrum für Abfallwirtschaft entwickelt. Dies war möglich aufgrund eines bestehenden Rechts aus dem Jahr 1921 – aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß.

Wir Bewohnerinnen und Bewohner meinen, dass weitere Belastungen nicht mehr zumutbar sind.

Ein neues Kraftwerk auf dem vorgesehenen Gelände lehnen wir ab. Wir müssen nicht in Kauf nehmen, dass nicht nur Klärschlamm aus Bremen, sondern aus dem nordwestdeutschen Raum zu uns transportiert und hier verbrannt werden soll.

Wir fordern den Senat und das Konsortium „KENOW“ auf, einen Standort zu finden, der nicht noch zusätzliche Belastungen für unsere Bevölkerung mit sich bringt.

Rolf Vogelsang (BI)